„Als Schauspielkunst in
meinem Sinne bezeichne ich die schickliche Biegsamkeit
des ganzen Körpers
und der Stimme, die geeignet ist, Affekte zu erregen.“
Franciscus Lang, Chorag im Schultheater der Jesuiten (1654-1725)
Franciscus Lang (1654-1725)
Das Schultheater der Jesuiten erfüllte zum einen seine Aufgabe im Zuge der Gegenreformation – es propagierte den katholischen Glauben (2). Zum anderen galt das Schultheater als pädagogisches Mittel: Die Zöglinge sollten so rhetorische Fähigkeiten und eine „körperliche Beredsamkeit“ erlernen. (1)
„Lang gilt als einer der bedeutendsten Vertreter
der spätbarocken Jesuitendramatik. Innerhalb von 30 Jahren hat er etwa 120
eigene Produktionen auf die Schulbühne gebracht“, schreibt Thomas Erlach
in der Biographie über Franciscus Lang. Aus seinen Erfahrungen als Chorag
hat Lang ein Lehrbuch der Schauspielkunst verfasst.(3) Franciscus
Langs ‚Dissertatio de actione scenica’ (Abhandlung über
die Schauspielkunst) erschien 1727, zwei Jahre nach seinem Tod,
in lateinischer Sprache.
In diesem Lehrbuch(4) definiert
er die Schauspielkunst als die „schickliche Biegsamkeit des Körpers und der
Stimme, die geeignet ist, Affekte zu erzeugen“. Im Sinne des Theatrum mundi
– der Welt als Bühne – und des Mimesis-Gedanken Aristoteles’ forderte Lang
vom Schauspieler eine Nachahmung
der Natur. Da die Gestik des Menschen jedoch „roh und
ungepflegt“ sei, müsse sie durch die „Kunst verfeinert und
zur Eleganz ausgebildet
werden“.