
Christian und Linda
„Bei Kleist musst du jeden Satz bis ans Ende denken“, erläutert Verena Plümer „und richtig betonen.“ Sätze wie Sosias Verteidigung „Ich nenne Nichts, die Wahrheit dir zu sagen, / was Nichts in Prosa wie in Versen heißt, / und Nichts, du weißt, ist ohngefähr so viel / wie Nichts, versteh mich, oder nur sehr wenig.“ müssen auf einem Atem gesprochen werden. „Einschübe einfach weg sprechen!“, sagt die Dozentin leichtfertig. Mit hochgezogenen Augenbrauen halten Linda und Christian für einen Augenblick die Luft an. Auf Verena Plümers Hinweis „Kleist ist das Gemeinste überhaupt, ich hoffe, das ist euch klar!“ antworten die beiden wie aus einem Mund: „Jetzt schon!“
Linda und Christian sitzen sich nun am Tisch gegenüber und sprechen ihren Text ohne die Szene zu spielen. Jeden einzelnen Satz untersuchen die Schüler mit ihrer Dozentin auf seine Haupt-Bedeutung und betonen ihn anschließend entsprechend. Bis zur nächsten Woche sollen die beiden zuhause ihren Text in Hinblick auf die richtige Betonung lernen.
Abschließend spielen die beiden die Szene noch
einmal. „Ich glaube, ihr habt den
Intelligenzverlust der beiden noch nicht kapiert. Wir sind bei
Prolls zuhause!“ Linda soll
es noch einmal auf Fränkisch versuchen, Christian diesmal als Russe.
Er muss nun viel
intensiver mit seinem Körper darstellen.
Plötzlich kommt große Hektik auf. Die Schüler stürmen in den Nachbarraum, der Theorie-Unterricht zur Theatergeschichte hat bereits vor fünf Minuten begonnen.