
Die "Probezeitler" der WSfS des Frühjahrs 2006
Interview mit Verena Plümer - Frage 1/9
Unsere Gespräche fangen meistens damit an, dass
wir versuchen, abzuschrecken. Wir erklären den Bewerbern, wie hart der
Markt tatsächlich ist und wie schwierig es sein wird, sich in dem Beruf
durchzusetzen. Wir raten ihnen, dass sie es lassen bleiben sollen,
wenn sie irgendeine andere Möglichkeit für ihr Leben sehen. Weil
es im Wesentlichen doch - selbst wenn es mit Erfolg gekrönt sein sollte
- ein Leidensweg ist. Da kristallisiert sich schon eine ganze Menge raus.
Diejenigen, die wissen, dass es nur das Eine für sie gibt, reagieren
komplett unempfindlich auf diese Abschreckungsmanöver. Von denen kann
man dann auch annehmen, dass sie sich durchbeißen können.
Ansonsten sind wir - ich mache das Gespräch meistens mit meinem Kollegen,
Martin Plass - schon relativ geschult in der Wahrnehmung von Temperament,
von Ausstrahlung und von Willen. Auch so etwas wie Talent oder Vorstellungsfähigkeit kann man in dem Gespräch herausfinden. Natürlich gibt es da Verkrampfungen
und Ängste, deshalb machen wir die entsprechenden Abstriche. Wenn wir
sehr im Zweifel sind, dann machen wir eine kleine Übung.
Ansonsten kann ich keine konkreten Sachen sagen, die die Entscheidung
beeinflussen. Das hat etwas mit Chemie zu tun, auch mit Gefühl.